„Und nun habe ich eine herzliche Bitte an Evodia und Syntyche: Beendet doch eure Meinungsverschiedenheiten, denn ihr gehört beide dem Herrn.“ (Philipper 4,2 NLB)

 „Wenn Gott uns auf steinige Wege schickt, gibt er uns feste Schuhe..“ (Corrie ten Boom)

Kürzlich sagte ein Pastor zu mir: „Weißt du, Paul, es ist sehr schwierig, eine Gemeinde zu leiten.“ Dieser Aussage muss ich leider zustimmen. Ich würde mir sehr wünschen, dass die Leitung einer Gemeinde nur Frieden, Freude und Eierkuchen mit sich bringt. Aber Tatsache ist, dass wir noch nicht im Himmel angekommen sind.

Nachdem ich in den letzten Wochen mit einigen Pastoren gesprochen habe, wurde mir klar, dass die Herausforderungen, vor denen viele von ihnen stehen, nichts mit Corona oder der Frage, wie man am besten mit Konflikten und schwierigen Situationen unter ihren leitenden Mitarbeitern umgeht, zu tun haben. Ich hörte mehrmals, dass die leitenden Mitarbeiter – aus welchen Gründen auch immer – nicht mehr in der Lage waren, ihre Aufgaben zu erfüllen, und deshalb Gespräche mit dem Pastor und dem Vorstand nötig waren.

Ganz ehrlich gesagt, die meisten solcher Mitarbeiter, lieben Jesus von ganzem Herzen und haben hoffentlich die besten Absichten, Gott und der Gemeinde zu dienen. Aber es gibt Mängel in ihrer Mitarbeit. Hier ist eine Auflistung der Mängel, die wir alle irgendwann als Leiter bei verantwortlichen Mitarbeitern gesehen haben.

  1. Es fehlt auf einmal an Loyalität zum Pastor oder Vorstand.
  2. Die Fähigkeiten für Organisation oder Kommunikation sind sehr mangelhaft.
  3. Persönliche Probleme oder Stress in Ehe und Familie haben eine negative Auswirkung auf ihren Dienst in der Gemeinde.
  4. Ihre Leiterschaft wird nicht mehr angenommen von den Leuten in ihrer Gruppe oder bei den Mitarbeitern in ihrem Arbeitsbereich und dadurch fehlt es bei allen an Motivation. Dazu schreibt John Maxwell: „Wenn du glaubst, dass du führst, aber dir niemand folgt, machst du nur einen Spaziergang.“
  5. Die Person setzt entweder keine oder nur falschen Prioritäten.
  6. Es fehlt einfach an Kompetenz.
  7. Manchmal stimmt die „Chemie“ zwischen dem Pastor und den leitenden Mitarbeitern einfach nicht. So etwas darf man nicht als „ungeistlich oder geistlich“ bewerten.
  8. Entscheidungen werden getroffen ohne Weisungsbefugnis.

      Ich möchte die Liste nicht verlängern, aber ich denke, ihr versteht, was ich meine.

      Ja, es ist schwierig, eine Gemeinde zu leiten. Und eine unserer schwierigsten Aufgaben als Leiter ist es, Gespräche mit Mitarbeitern zu führen, wenn es um solche Dinge geht. Diese Art Gespräche haben mir nie Spaß gemacht, aber sie müssen stattfinden.

      Vor längerer Zeit führte ich ein Gespräch mit einem Kollegen, der auch Herausforderungen mit einem Mitarbeiter hatte. Ich riet ihm folgendes. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Leider zog sich der Schrecken sehr lang hin. Erst neulich konnte ich für diesen Kollegen beten, dass Gott ihn befreit von dieser Situation mit seinem Mitarbeiter, die schon lange andauert und ihn emotional aussaugt.  In solchen Situationen lieben wir unsere Geschwister weiterhin, aber wir müssen einen gesunden Abstand schaffen. Dies hilft uns geistlich weiter zu gehen und nicht immer auf derselben Stelle zu treten.

      Mein Freund Michael aus Michigan, postete neulich auf Facebook: „Wir als Pastoren tun unser Bestes und überlassen den Rest dem Herrn. <—- Punkt, Ende der Geschichte“.

      Viele Pastoren und manchmal ganze Gemeinde leiden, wenn die Dinge mit verantwortlichen Mitarbeitern lange schief laufen, ohne dass ein klärendes Gespräch stattfindet.  Manche Pastoren und Leiter haben schon so viel Negatives erlebt, dass sie Geschwistern kaum mehr verantwortliche Mitarbeit anvertrauen wollen. Ich kenne das Gefühl. Aber wir müssen weitergehen und hartnäckig an unserer Berufung dranbleiben.

      Brad Trask schriebt: „Leiterschaft bedeutet Problem-Lösen. Habe den Mut, Konflikte zu regeln. Löse beständig Konflikte – nicht immer nur zwischen Menschen. Sei mutig im Leben. Es geht um die Gemeinde Gottes und einige Leute, die jetzt hier sind, werden später nicht mehr in deinem Leben sein.“

      Immer wieder werde ich gefragt: „Paul, wie gehst du mit solchen Situationen um, wenn es schwierige zwischenmenschliche Spannungen gibt? Wie kannst du trotzdem mit Freude als Pastor Gott und der Gemeinde dienen?“ Es gibt nicht eine Schema F-Lösung für mich, aber hier sind ein paar Punkte, die mir über die Jahre geholfen haben.

      1 No Suprises! Ich erwarte das Unerwartete und erwarte damit zurechtzukommen. Im Gemeindedienst verläuft der Plan nie so, wie ich will

      2 Mein Dienst ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Beim Marathon gibt es viele Höhen und Tiefen. Dazu schrieb in der Antike der weise Sokrates: „Dein Leben ist zu kurz und deine Berufung zu groß, um dich wegen etwas Kleinem zu kränken.“

      3 Es hilft mir zu wissen, dass alle meine Kollegen dieselben Herausforderungen haben. Ich möchte nicht wie Elia die „Ich allein bin übriggeblieben”-Komplexe hegen und pflegen. Es bringt niemanden weiter, in solchen Fällen eine „Pity Party“ zu feiern und sich selbst zu bemitleiden.

      Gordon Mac Donald leitete schon in den Achtzigerjahren eine der größten Megagemeinden in den USA. In einem 2017 geführten Interview mit Cary Nieuwhof traf Gordon die folgende Aussage: „Indem ich mit anderen Pastoren über bestehende Probleme gesprochen habe, habe ich bei meinen angestellten Mitarbeitern wahrscheinlich die größten Erfolge erzielt. Meine Erfolgsquote lag irgendwo zwischen 50 und 60 Prozent. Probleme sind nicht immer dadurch zu lösen, dass Gemeinden oder Pastoren neue Mitarbeiter einstellen.“

      4 Mein Dienst und meine Berufung sind von Glauben geprägt. „Denn wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen.“ (2. Korinther 5,7)

      5 Meine Kraft ist sehr begrenzt. Daher bitte ich immer ohne Scheu Gott um Kraft. Ich mag was Corrie Ten Boom einmal geschrieben hat: „Mut ist Angst, die gebetet hat.“

      „Zuletzt: Seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke.“ (Epheser 6,10) In den nächsten Versen erinnert uns Paulus daran, dass uns die geistliche Waffenrüstung Gottes ständig zur Verfügung steht. Billy Graham spricht mir aus den Herzen: „Bete um ein dickes Fell und ein weiches Herz.“

      6 Ich stärke mich im Herrn durch Lobpreis. Ich werde nie vergessen, wie wir in Michigan unsere erste Gemeinde gründeten. Damals erlebte ich eine sehr schwierige Woche und war am Boden zerstört. Was war passiert? Eine Familie aus unserer Gemeinde, mit der Mechthild und ich immer sehr eng verbunden gewesen waren, kehrte uns aufgrund einer wirklichen Kleinigkeit enttäuscht den Rücken und verließ die Gemeinde mit großem Spektakel. Leider gab es keine Möglichkeit, die Sache zu klären, weshalb ich sehr niedergeschlagen war. Eines Tages jedoch begann ich nur aufgrund eines Impulses, für mich allein Lobpreis zu machen, und plötzlich ging es mir wieder gut und ich war frei.

      Lobpreis hört sich nicht nach etwas Besonderem an, aber ich habe im Lauf der Jahre immer wieder erlebt, dass mir die folgenden Worte Davids in schwierigen Situationen in der Gemeinde geholfen haben: „Ich will den HERRN loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. Meine Seele soll sich rühmen des HERRN, dass es die Elenden hören und sich freuen.“ (Psalm 34,2-3)

      Der letzte Punkt ist möglicherweise für uns alle der wichtigste. Ganz gleich, wie wir uns fühlen, und ganz gleich, welche Gedanken wir haben – wenn wir beginnen, Gott zu preisen, werden wir seine Gegenwart langsam spüren, und dann werden all unsere Sorgen plötzlich klein und weit weg erscheinen. Bleib dran – mit Gottes Hilfe kommst du voran!


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      Carey Nieuwhof hat auf die Tatsache, dass die Teilnahme am Gemeindeleben während der Corona-Krise abgenommen hat und das wahrscheinlich auch nach der Pandemie weiter so bleiben wird, folgend reagiert:

      Erstens können die Menschen überall großartige Inhalte bekommen. Und das tun sie auch.

      Zweitens, was deine Gemeinde anbieten kann und andere nicht, ist Verbindung und echte Beziehung.

      Digitale Inhalte allein bauen keine Zukunft, Beziehungen aber schon.

      Denke daran, was du zukünftig online machen könntest, damit mehr Beziehung statt bloßer Konsum entsteht. Verbindung führt zu Gemeinschaft und Beziehung – mit Gott und anderen. Setze dir zukünftig Verbindung und Beziehung als Ziel deiner digitalen Inhalte, nicht Konsum.


      Leiter tragen die Verantwortung dafür, eine Umgebung oder Kultur zu schaffen, in der die Mitarbeiter ihr Bestes geben können. (Alan Mullaly)


      Es ist normal, verschieden zu sein. (Richard von Weizäcker)


      Für einen Menschen nachts auf einer Bergstraße kann ein flüchtiger Blick einen Meter weit vor sich auf der Straße mehr bedeuten als eine Sicht des Horizonts. (C. S. Lewis)


      Was du behältst, ist alles, was du hast. Aus dem, was du gibst, macht Gott ein Vielfaches. (Craig Groeschel)


      Wenn du nur dann betest, wenn du ein Problem hast, hast du ein Problem. (Dave Barringer)


      Wie sieht deine Planung für die Gemeinde aus?

      Ich (Paul) habe immer das Vorrecht, in verschiedenen Gemeinden 2-4-stundige Seminare abzuhalten. Hier ist einer detaillierten Beschreibung der behandelten Themen. Bitte kontakte mich, wenn ich dir und deine Gemeinde helfen kann.


      Paul hat mit seiner Frau Mechthild Gemeinden im Saarland, Rheinland-Pfalz und Thüringen gegründet und berät Gemeinden in Zeiten großen Umbruches. Er hat das ‚Forum für Leiterschaft im Gemeindebau’ ins Leben gerufen um Pastoren und Gemeindemitarbeiter in ihren Dienst zu ermutigen. Paul und seine Frau Mechthild wohnen in Lindau (Bodensee) und haben 2016 die Freie Christengemeinde in Bregenz, Österreich gegründet. Im März 2020 haben sie die Leitung der FCG Bregenz an ihren Sohn Mike übergeben. Paul ist nach wie vor als Coach und Mentor aktiv. Er unterstützt mehre Gemeindegründungsprojekte im deutschsprachigen Europa und hält Seminare zu verschieden Themen ab, um die Gemeindeleitungen und Mitarbeiter in ihrem Dienst zu stärken.