„Du musst loslassen, um voranzukommen.“ Diesen Satz habe ich 1993 zum ersten Mal von John Maxwell auf einer kleinen Leitungskonferenz gehört. Jetzt, über 30 Jahre später, stimme ich ihm mehr denn je zu.
Viele von euch sind Pastoren, die Hauptleiter eurer Gemeinde. Ihr habt die Gemeinde entweder selbst gegründet oder seid in eine bestehende Arbeit eingestiegen. Ihr wollt, dass eure Gemeinde wächst. Vielleicht sucht ihr nach Ideen, um eurer Gemeinde neuen Schwung zu geben.
Oder ihr habt bereits Veränderungen umgesetzt, und die Gemeinde beginnt zu wachsen. Jetzt wollt ihr den nächsten Schritt machen.
Hier ist eine überraschende Wahrheit: Viele der Dinge, die man tut, um eine kleine Gemeinde zum Wachsen zu bringen, sind genau die Dinge, die sie später wieder zum Stillstand bringen – oder sogar zerstören können, wenn man sie weiterverfolgt. Richtig gelesen: Ein Pastor, der sich nichts sehnlicher wünscht als das Wachstum seiner Gemeinde, kann es mit seinen eigenen Händen zum Stillstand bringen.
Die unternehmerische, herausforderungsgetriebene, adrenalinsüchtige Persönlichkeit eines Gründers kann irgendwann genau die Leitenden vertreiben, die er oder sie einst für den Aufbau der Organisation gewonnen hat. Warum? Weil diese Art von Leiter oft nicht loslassen kann, um aufzusteigen. Sie klammern sich zu sehr an das, was nicht (mehr) wesentlich ist.
Ich habe mit Hunderten von Kirchenleitern in ganz Nordamerika gearbeitet. Ich habe Leiter getroffen, deren Gemeinden im Niedergang waren, und solche, deren Kirchen in nur wenigen Jahren auf mehrere Tausend gewachsen sind. Eine Sache ist mir dabei besonders aufgefallen: Die besten Leiter entscheiden sich immer wieder dafür, Dinge aufzugeben, die sie lieben – damit die Gemeinde wachsen kann. Es ist keine Entscheidung, die man einmal trifft und dann nie wieder. Es ist eine Entscheidung, die man Woche für Woche, Jahr für Jahr neu treffen muss.
Auch in meiner Zeit als Executive Pastor musste ich lernen: Wenn man wächst, muss man loslassen. Unsere Gemeinde wuchs von 250 Personen an einem Standort zu über 6 000 mit mehreren Standorten und Diensten. Als ich zum Team von Willow Creek stieß, musste ich vieles aufgeben, was ich konnte, um mich auf das zu konzentrieren, was ich tun sollte – zum Wohl der Organisation.
Hier sind einige Dinge, die du aufgeben musst, damit deine Gemeinde wachsen kann:
Gib das „Selbermachen“ auf, um führen zu können. Wenn eine Gemeinde startet, macht der Pastor alles. Wenn er diese Aufgaben nicht loslässt und andere nicht bevollmächtigt, wird das Wachstum behindert.
Gib es auf, dich mit allen zu treffen, um auf Prioritätsbeziehungen zu setzen. Ein Pastor einer kleinen Gemeinde hat Zeit für jeden. Wenn die Gemeinde wächst, muss er wählerischer werden. In einer sehr großen Gemeinde sollte ein Pastor seine Zeit ausschließlich mit Mitarbeitern und wichtigsten ehrenamtlichen Leitern verbringen.
Gib das Alleinmachen auf, um im Team zu leiten. Dinge alleine zu erledigen ist oft einfacher. Um den Einzelkämpfer-Stil hinter sich zu lassen, musst du tief im Herzen glauben, dass ein Team stärker ist als die Summe seiner Teile.
Gib persönliche Lieblingsprojekte auf, um echten Mehrwert zu schaffen. Ein Gründerpastor ist vielleicht begabt in Grafikdesign und gestaltet gerne das Wochenblatt. Doch mit dem Wachstum der Gemeinde muss er das aufgeben, um sich auf das zu konzentrieren, was nur er tun kann. Als unsere Gemeinde noch klein war, habe ich das Mischpult bedient. Ich konnte das gut, und es machte mir Spaß. Aber irgendwann musste ich es aufgeben, um mich auf das zu konzentrieren, was nur ich leisten konnte.
Gib Mikromanagement auf, um dich auf das große Ganze zu konzentrieren. Wenn du dich um das Logo der Teenagerarbeit, die Schriftart der Männerbroschüre und den Begrüßungstext am Telefon kümmerst, wirst du verrückt. Nutze deine Leitung, um den Fokus auf das Ziel zu richten. Formuliere immer wieder neu die Vision für den Auftrag.
Gib enge Kontrolle auf, um deine Leiter zu bevollmächtigen. Wenn du jede Kleinigkeit kritisierst, schaffst du ein Team, das nichts mehr ohne dich entscheiden will. Dann hast du eine Organisation, die zum Flaschenhals wird – und nachhaltiges Wachstum wird unmöglich. Frag dich ständig: „Ist das wirklich entscheidend für den Auftrag?“ Wenn nicht – lass es los.
Gib persönliche Vorlieben auf, um langfristig zu wirken. Du musst nicht jeden im Team mögen. Du musst nicht jede Methode in jedem Arbeitsbereich persönlich gutheißen. Wenn du dich an Nebensächlichkeiten aufhängst, wirst du zum Nörgler, und niemand will mit dir zusammenarbeiten. Wenn du dich auf die Werte der Gemeinde konzentrierst und vertrauenswürdige Leiter findest, entsteht ein Dienst, der dich überdauert.
Zu viele Pastoren und Leiter können nicht loslassen, um aufzusteigen. Sie halten an zu viel fest – und verlieren dadurch fähige Leiter, die nicht bleiben, wenn ihnen ständig der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Einige große Gemeinden haben deshalb nur noch „Mitläufer“ im Team (keine echten Leiter), weil der leitende Pastor jede Entscheidung selbst treffen muss. Vielleicht wächst die Gemeinde trotzdem – aber das Wachstum wird nicht nachhaltig sein, wenn der Leiter geht. Solche Gemeinden sind keine tragfähigen Gemeinden. Sie sind inspirationsgetriebene Persönlichkeitszentren.
Ich ermutige dich: Lass los, um aufzusteigen. Bau eine Gemeinde auf der Grundlage von Gottes Absichten – nicht auf deinen Vorlieben oder deiner Persönlichkeit.
Und hier geht’s zu Tims Blog „Lead Smarter“: