Falls du es noch nicht gemerkt hast: Im Moment ist die Stimmung ziemlich angespannt, und jeder hat eine Meinung zu allem, was gerade passiert. Aber manchmal ist es klüger, einfach mal zu schweigen. Noch klüger ist es, dem Drang zu widerstehen, alle von deiner Sichtweise zu überzeugen oder ihre Zustimmung zu bekommen.

Oft ist das, was wir unbedingt sagen wollen, gar nicht so wichtig, wie wir denken. Wahre Reife bedeutet, andere zu ihren eigenen Schlussfolgerungen kommen zu lassen, auch wenn diese von deinen abweichen. Das gibt ihnen Freiheit und bewahrt deinen eigenen Seelenfrieden.

Streitigkeiten hinterlassen selten bei allen Beteiligten ein gutes Gefühl. Meistens führen sie zu Ressentiments, Frustration oder Distanz – selbst wenn eine Seite „gewinnt“. Wahre Verbundenheit und Verständnis entstehen nicht dadurch, dass man Zustimmung erzwingt, sondern dadurch, dass man zuhört, Unterschiede respektiert und weiß, wann man den Moment ohne Streit verstreichen lassen sollte.

In dem Moment, in dem wir davon überzeugt sind, dass unsere Idee, Antwort oder Perspektive, die einzig richtige ist, schlägt der Stolz Wurzeln und wir fangen an, unser eigenes Urteilsvermögen zu trüben.

Also tritt einen Schritt zurück. Echter Respekt für andere bedeutet, ihnen zu vertrauen, dass sie sich ihre eigene Meinung bilden und ihre eigenen Schlussfolgerungen ziehen – auch wenn diese Schlussfolgerungen von deinen abweichen.

Es ist nicht deine Aufgabe, jede Meinungsverschiedenheit zu korrigieren oder jeden zu deiner Wahrheit zu bekehren. Wenn du anderen den Raum gibst, unabhängig zu denken, ehrst du ihre Würde, förderst echte Beziehungen und ersparst dir die Erschöpfung ständiger Überzeugungsarbeit.

Das deutlichste Zeichen emotionaler Intelligenz ist zu wissen, wann man aufhören muss zu reden. Nicht jeder Gedanke muss ausgesprochen werden, nicht jedes Gefühl muss diskutiert werden. Manchmal ist es das Vernünftigste, was du tun kannst, den Mund zu halten und andere ihre Gedanken verarbeiten zu lassen.

Anderen zu vertrauen, dass sie selbstständig denken können, ist ein Akt der Demut, des Selbstvertrauens und der stillen Stärke, selbst wenn man anderer Meinung ist.

Lynn und ihr Mann Mike wohnen in Redding, Kalifornien, und vor ihrer Pensionierung waren sie Pastoren und leiteten Missionsausbildungen für die Bethel Church dort.  Sie selbst waren dreizehn Jahre lang in Afrika und Europa missionarisch tätig.