„Es ist meine Überzeugung und auch mein Wissen, dass Gott niemals den Charakter eines Menschen bricht, sondern dass er den Charakter eines Menschen heiligt.“ (Roman Siewert)
“Auf Gott hoffe ich und fürchte mich nicht; was können mir Menschen tun?” (Psalm 56,12)
„Die Menschenfurcht, die mächtigste Gewalt auf Erden, ist meist die Gegnerin der Gottesfurcht.“ (Albert Bitziusk, 1797 – 1854)
Als Pastor bin ich immer nervös, wenn Gemeindemitglieder übermäßig betonen, wie sehr sie meinen Dienst schätzen, mich auf ein Podest heben und Dinge sagen wie: „Du bist so ein toller Pastor.“ Diese Art von „Verehrung“ ist nie gut, denn irgendwann wirst du Entscheidungen treffen und Dinge tun, die sie nicht gutheißen.
Ich erinnere mich daran, wie ich meine erste Gemeinde in Michigan gründete und an einem Sonntagmorgen tatsächlich eine Frau aufstand und sagte: „Lasst uns unserem Pastor einen großen Applaus spenden, denn er macht seine Arbeit wirklich großartig.“ Natürlich wollten Mechthild und ich uns bei dieser unangenehmen Unterbrechung des Gottesdienstes am liebsten unter einem Stuhl verkriechen. Eine Woche später teilte uns diese Frau, die mich gerade noch bejubelt hatte, mit, dass Gott ihre Familie zu „grünerem Gras“ in einer anderen Gemeinde führe.
Kürzlich war ich an der Amtseinführung eines neuen Pastorenehepaars beteiligt und gab der Gemeinde ebenfalls dieser Aufforderung, wobei ich die Worte des Paulus zitierte: „Erkennt die an, die sich für euch abmühen und in der Gemeinde des Herrn Verantwortung übernehmen, um euch den rechten Weg zu zeigen. Liebt sie wegen des Dienstes, den sie an euch tun, und begegnet ihnen mit größter Achtung.“ (1. Thessalonicher 5,12b-13a GN)
Es ist absolut nichts Falsches daran, wenn Menschen unsere Leitungsarbeit anerkennen und dafür Dankbarkeit ausdrücken. Nach dem amerikanischen Psychologen Abraham Maslow streben Menschen nach der Erfüllung ihrer Grundbedürfnisse nach Liebe, Zugehörigkeit und Anerkennung durch andere. Anerkennung signalisiert: „Ich werde akzeptiert, ich bin wichtig und ich habe einen Platz in der Gruppe.“ Du und ich brauchen diese Art von Akzeptanz.
Andrew Arndt schreibt: „Ich muss an Abba Serapion denken, einen Mönch aus dem 4. Jahrhundert, der sagte, es sei „schwieriger, der Herrschaft des Lobes zu entkommen“ als anderen, bekannteren Übeln. Das ist sicherlich auch meine Erfahrung. Mein Bedürfnis nach Anerkennung hat oft wie eine schreckliche Sucht gewirkt.“ (Andrew Arndt)
Zu viel Anerkennung von anderen zu erwarten, kann an unserer Lebensgeschichte oder sogar an unseren Erfahrungen als Gemeindeleiter liegen. Leider kenne ich viele Erwachsene, die als Kinder von ihrem Vater oder ihrer Mutter nie positiv bestätigt wurden, und das ist verheerend. Deshalb suchen einige von uns nach mehr Anerkennung, um unerfüllte Bedürfnisse zu stillen.
John Bowlby und Mary Ainsworth schreiben, dass kleine Kinder biologisch darauf programmiert sind, Anerkennung von ihren Eltern zu suchen. Anerkennungssignale: „Ich bin sicher, ich gehöre dazu und ich werde geschätzt.“ Sie fügen hinzu, dass Kinder, wenn die Anerkennung widersprüchlich oder an Bedingungen geknüpft ist, ständig nach Bestätigung suchen oder sogar so tun, als bräuchten sie keine Anerkennung.
„Wir dürfen nicht zulassen, dass unsere Vergangenheit zerstört, was Gott für uns in der Gegenwart und Zukunft bereithält.“ (Jürgen Werth)
Wir alle neigen manchmal dazu zu denken: Was denkt der oder die über meinen Dienst? Vergleichen sie meine Leitungsarbeit mit ihrem früheren Pastor oder ziehen sie vielleicht Vergleiche, wie ich predige, im Vergleich zu einem bekannten Online-Prediger? Theodore Roosevelt hat einmal gesagt: „Das Vergleichen ist der Dieb der Freude.“
Wenn wir uns damit beschäftigen, wie andere uns mit anderen vergleichen, begeben wir uns auf den Weg, der zur Menschenfurcht führt. Manchmal ist es sehr subtil, aber es ist da. Der weise Salomo drückt es so aus: „Menschenfurcht stellt eine Falle; wer aber auf den HERRN vertraut, ist in Sicherheit.“ (Sprüche 29,2) Ich persönlich weiß nur zu gut, dass es leichter gesagt als getan ist, mich in Gottes Augen zu sehen, statt in den Augen derer, die mich vielleicht mit anderen vergleichen.
Gottes Vaterherz zeigt sich auf vielfältige Weise. Die Frage ist, wie wir damit umgehen. Wir sind herausgefordert, auf die Liebe Gottes mit Vertrauen zu reagieren. Selbst die engste und liebevollste Beziehung zu unserem irdischen Vater lässt sich nicht mit der alles übersteigenden Liebe unseres himmlischen Vaters vergleichen, der uns kennt, wie uns nie ein anderer Mensch kennen wird. Seine unerschütterliche Anerkennung für dich und mich schenkt Geborgenheit und Ruhe in einem sicheren emotionalen Hafen.
Göttliche Annahme bedeutet, so angenommen zu werden, wie ich bin. Nicht etwas erreichen oder beweisen zu müssen oder die Erwartungen anderer erfüllen zu müssen. Es ist die Freiheit, ich selbst zu sein, und das reicht. Dann hält Er uns in Seinen Händen, und niemand kann uns davon wegnehmen (Johannes 10,28).
Lass uns von diesem wunderschönen Gebet des Apostels Paulus ermutigen, ganz gleich, in welcher Situation wir uns heute befinden: “Ja,´ich bete darum,` dass ihr seine Liebe versteht, die doch weit über alles Verstehen hinausreicht, und dass ihr auf diese Weise mehr und mehr mit der ganzen Fülle des Lebens erfüllt werdet, das bei Gott zu finden ist.” (Epheser 3,19 NGÜ)
Es kommt immer wieder auf das Gleichgewicht an. Ja, wir sollen von anderen geliebt und akzeptiert werden, aber lass uns niemals zu viel von denen erwarten, denen wir in der Gemeinde dienen, oder sogar von denen, die uns in unserer eigenen Familie nahestehen. Fehlgeleitete Erwartungen entstehen, wenn man erwartet, dass andere die Hauptquelle für Glück oder Stabilität sind. Überzogene Erwartungen haben zum Sturz vieler Leiter geführt.
Mein Gebet für uns heute!
Jede Fiber meines Wesens sehnt sich danach, frei zu sein. Heiliger Gott, du allein kannst mir diese Freiheit geben. Ich komme wieder zu dir, wie so oft, bitte hilf mir, mich mehr auf deine Treue und Güte zu konzentrieren als auf alles andere. Deine Anerkennung ist alles, was ich wirklich brauche. Gib mir heute die Kraft, andere so zu lieben, wie du mich bedingungslos geliebt hast. Hilf mir heute, freundlich und ermutigend zu jedem zu sein, dem ich begegne. AMEN
Andere Beiträge
Einfache Grenzen, nach denen ich versuche zu leben
Nate Elarton
Pastor oder Leiter zu sein bedeutet, Ja zu einer sehr verletzlichen, aber auch sehr erfüllenden Berufung zu sagen. Es gibt Gründe, warum 90 % derjenigen, die in den Dienst eintreten, diesen nicht beenden. Wir haben eine enorme „Ausstiegsquote”. Mehr von diesem Beitrag! [1]
Berufliche und dienstliche Neuorientierung: Lebensübergänge
Mark Hausfeld
Wenn ein langes Kapitel zu Ende geht, fragen wir uns ganz natürlich: Wer bin ich jetzt? Was kommt als Nächstes? Unsere Identität, unsere Bestimmung und unser Wert sind nicht in dem verankert, was wir tun, sondern darin, wer wir in Christus sind. Mehr von diesem Beitrag lesen! [2]
Nicht jede Beziehung in der Mitarbeiterschaft oder in der Gemeinde hält für immer
Natalie Breckenridge
Vielleicht wurden sie gesandt, um etwas Bestimmtes aufzubauen, um dich durch eine bestimmte Zeit zu begleiten, um einen Teil der Aufgabe zu stärken. Und wenn diese Aufgabe erledigt ist, verändert sich die Beziehung ganz natürlich. Mehr von diesem Beitrag lesen! [3]
Einige Aussagestarke Zitate
Es ist gut möglich, dass es eignen Leuten, die du kennst, nicht gut geht. Schau mal nach ihnen. Hör zu und mach ihnen Mut. Biete ihnen an, ihnen zu helfen. Zeig Mitgefühl und sei für sie da, wenn sie Leid haben. (Mitchel Frost)
Den größten Fehler, den man im Leben machen kann, ist, immer Angst zu haben, einen Fehler zu machen. (Dietrich Bonhoeffer)
Abraham wartete 25 Jahre. Mose wartete 40 Jahre. Jesus wartete 30 Jahre. Wenn Gott dich warten lässt, dann bist du in guter Gesellschaft. (Nick Gumbel) „Wer geduldig ist, der ist weise; wer aber ungeduldig ist, offenbart seine Torheit.“ Sprüche 14,29)
Auch wenn unsere Gefühle kommen und gehen, Gottes Liebe tut es nicht. (C.S. Lewis)
Gott formt das Herz des Leiters durch Berufung. Die Berufung ist eine göttliche Inszenierung, in welcher der Leiter für eine spezifische Aufgabe ausgesondert wird. Gottes Anteil an der Berufungsdynamik ist zu initiieren, zu leiten, zu positionieren und einzugreifen. Der Anteil des Leiters in dieser Inszenierung ist das Hören, Antwort zu geben, zu suchen und das Leben zu ordnen oder auch neu zu ordnen. Die Inszenierung beginnt und endet mit Gott, aber sie fädelt sich durch ein sehr menschliches Wesen. Sie ist persönlich, aber größer als die Person. Berufung entspringt aus dem, wer wir sind, aber gleichzeitig formt sie uns in das, was wir sein werden. Sie hat die Komponenten des Sein und des Tun. Berufung fordert von uns eine Beziehung zu Gott, die in die Tiefe geht und ist nicht nur eine Funktion oder Aufgabe, obwohl sie auch klare Aufgaben- bezogene Komponenten hat. (Reggie McNeal, A Work of the Heart: Understanding how God Shapes Spiritual Leaders, Seite 95)
Neue Gemeinden entstehen nicht per Zufall, sondern weil solche Leute sich willentlich gebrauchen lassen wollen. (Dietrich Schindler)
Aus dem Tief in deinem Leben kann ein Leben mit Tiefe werden. (Max Lucado)