„Stolz nährt die Erinnerung an Kränkungen; Demut vergisst ebenso wie sie vergibt.“ (Robert C. Chapman)
„Auf Stolz folgt Sturz, nach Übermut kommt Untergang.“ (Sprüche 16,18 GNB)
„Lass dein Lernen nicht nur zu Wissen führen. Lass dein Lernen zum Handeln führen.“ (Jim Rohn)
„Demut bedeutet nicht, dass wir weniger von uns selbst denken, sondern dass wir weniger an uns selbst denken.“ (Rick Warren)
Ich erinnere mich an meinen Englischunterricht in der 11. Klasse bei Frau Nye – es war ihr erstes Jahr als Lehrerin. Leider habe ich ihr im Unterricht oft widersprochen und mich wie ein Besserwisser aufgeführt, was ich heute bereue. Teenager scheinen immer alle Antworten zu haben und denken oft, sie wüssten viel mehr als ihre Eltern. Als wir unser 10-jähriges Klassentreffen hatten, bat mich Frau Nye, unsere Klassenlehrerin, vor dem Essen das Gebet zu sprechen. (Ich bin mir sicher, sie war ziemlich überrascht, dass ich Pastor geworden bin.)
Wir alle haben im Laufe der Jahre Gemeindemitglieder und sogar einige Kollegen kennengelernt, die ebenfalls als Besserwisser rüberkamen. Ich erinnere mich, dass vor Jahren ein Kollege, der gerade von einer Willow-Creek-Konferenz zurückgekommen war, zu mir und einem anderen Gemeindegründer in Ostdeutschland sagte: „Ihr müsst etwas anders machen, denn eure Gemeinden wachsen nicht so, wie es die Beispiele auf der Willow-Creek-Konferenz gezeigt haben.“ Wir waren beide etwas überrascht über seine Worte, da wir wussten, dass dieser Bruder mit seinem kritischen Geist noch nie eine Gemeinde gegründet hatte, sondern allein in Ostdeutschland im Dienst stand.
Als junger Pastor neigte ich dazu, eher in Schwarz-Weiß-Kategorien zu denken, wenn es um zwischenmenschliche Herausforderungen innerhalb der Gemeinde ging. Ich erinnere mich, dass ich einmal einen erfahrenen, angesehenen Pastor in Michigan fragte, warum er die Leitung einer Gemeinde übernommen habe, die dafür bekannt war, alle möglichen internen Konflikte zu haben. (Mehrmals wurde die Polizei zu dieser Gemeinde gerufen, um einen Streit zu schlichten.) Als Antwort gab Al jedoch einen treffenden Kommentar ab: „Paul, jede Gemeinde hat jede Menge interne Probleme und Konflikte.“ Heute sehe ich nicht mehr alles so schwarz-weiß wie damals, und um es mal ganz offen zu sagen: Manchmal – oder öfter – es menschelt sehr, auch in unseren Gemeinden!
Versteh mich nicht falsch: Wenn es um unser Glaubensbekenntnis in Bezug auf Christologie und Soteriologie geht, darf es keine Kompromisse geben.
Mir gefällt, was Albert Einstein einmal gesagt hat: „Je mehr ich lerne, desto mehr wird mir bewusst, wie wenig ich weiß.“
Im Ernst, diese Einstellung hält uns demütig. Im Gemeindedienst gibt es keine einfachen Patentrezepte für die Herausforderungen, denen wir gegenüberstehen. Es macht keinen Unterschied, ob du an einer Willow-Creek-Konferenz teilnimmst oder nicht. (Übrigens empfehle ich immer, Willow zu besuchen.)
Apropos schlechte Patentlösungen: Erinnert euch an Jakobus und Johannes in Lukas 9, die Jesus fragten, ob sie Feuer vom Himmel herabkommen lassen sollten, um ein samaritanisches Dorf zu vernichten, das sich weigerte, sie aufzunehmen. Jesus tadelte die Brüder sofort für ihre harte, rachsüchtige Reaktion und erklärte, dass er gekommen sei, um Leben zu retten, nicht um sie zu vernichten.
Wir sind selbstbestimmte Lernende, wenn wir die Menschen leiten, die Gott uns in der Gemeinde anvertraut hat. Als Leiter gibt es noch so viel zu lernen, auch wenn ich schon seit über 40 Jahren Pastor bin. Vergessen wir nicht: Alle Jünger, die noch auf dieser Erde sind, sind Lernende!
Jemand hat einmal über einen Hirter-Leiter gesagt: „Sie führen sanft, korrigieren geduldig und lieben aufopferungsvoll.“
Wir dürfen niemals Besserwisser sein und vor unseren Leuten damit prahlen, wie klug wir sind. Es ist so wahr: „Die Menschen werden wahrscheinlich die meisten unserer Predigten vergessen, aber sie werden nie vergessen, wie sehr wir uns um sie gekümmert und sie geliebt haben.“
Seien wir ehrlich: Als Leiter gab es Zeiten, in denen unsere Motivation und unsere Reaktionen auf Menschen im Dienst nicht vorbildlich waren. Es ist gut zu wissen, dass wir einem Gott dienen, der vergibt und voller Barmherzigkeit ist. Jemand hat einmal gesagt: „Ein Fehler, der dich demütig hält, ist besser als ein Erfolg, der dich arrogant macht.“
Mein Freund J.P. Dorsey drückt es so aus: „Ein Leben ehrlicher Selbstreflexion wird immer die Verpflichtung zu persönlicher Reue, Entschuldigung und Demut bewirken.“
Wenn wir uns das Leben des Petrus vor der Auferstehung und vor Pfingsten ansehen, wirkt er manchmal wie ein Besserwisser voller Stolz. Doch in seinem Brief an die Christen, die über das gesamte Römische Reich verstreut waren, sehen wir einen Mann, der sehr gereift ist. Seine Worte treffen auch heute noch auf dich und mich zu:
„Dabei sollt ihr die Menschen, die eurer Leitung unterstellt sind, nicht bevormunden, sondern sie durch euer gutes Beispiel leiten. Und wenn der oberste Hirte wiederkommt, werdet ihr mit seiner unbegrenzten Herrlichkeit belohnt werden. Deshalb beugt euch demütig unter die Hand Gottes, dann wird er euch ehren, wenn die Zeit dafür gekommen ist. (1. Petrus 5,3-4 u. 6 NLB)
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Einige aussagestarke Zitate
Man kann nicht wirklich wissen, wohin man geht, bevor man nicht weiß, wo man gewesen ist. (Maya Angelou)
Und noch einmal: Nach mehr zu streben ist nicht falsch. Aber die Quantität ist nicht heilsentscheidend. Treue wird daran bemessen, was man mit dem tut, was man hat. Und wenn man mit dem, was man hat, gut umgeht, dann kommt am Ende oft auch mehr dabei heraus. (Carey Nieuwhof)
Hudson Taylor war in den letzten Monaten seines Lebens so geschwächt, dass er einem lieben Freund sagte: „Ich bin so schwach, dass ich nicht schreiben kann; ich kann meine Bibel nicht lesen; ich kann nicht einmal beten. Ich kann nur still in Gottes Armen liegen wie ein kleines Kind und vertrauen.“ Was auch immer dir heute bevorsteht, vielleicht kannst du nichts dagegen tun, aber liege still in Gottes Armen und vertraue. Das reicht! (Kenton Moody)
Man hat nie genug Zeit, alles zu tun, aber immer genug, um das Wichtigste zu erledigen. (Brian Tracey)
Demut bringt Transformation. Diese Erkenntnis wird dein Leben verändern. Die Einsicht, dass Veränderung nötig ist, und das Eingeständnis, dass es nicht ohne die Hilfe Gottes geschehen kann, zwingen dich in die Knie. (Nate Elarton)
Ein wertvolles Leben besteht nicht aus einer Reihe großer Dinge, die gut gemacht sind, sondern aus einer Reihe kleiner Dinge, die bewusst getan werden. (Joan D. Chittister)