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Die aussagekräftigsten Zitate zum Thema Leiterschaft und Gemeindebau aus dem Interview von Paul Clark mit Mark Wilkinson von Hillsong Berlin

Gastfreundschaft definiert sich durch die Art und Weise, wie man die Menschen sieht und wie man mit ihnen umgeht. Den Menschen zu dienen bedeutet, dass allen dieselbe Aufmerksamkeit zuteilwird, während man im Rahmen der Gastfreundschaft auf jeden Einzelnen eingehen kann. Damit begibt man sich auf eine sehr persönliche Ebene. Jeder ist einzigartig und muss als Individuum behandelt werden. Jeder ist individuell und wir dürfen nicht versuchen, ihn in eine Form zu pressen.

Wenn man um einen Tisch herumsitzt, fühlen sich die Menschen sicher und öffnen sich. Nimmt man jedoch den Tisch weg und lässt die Menschen im Kreis sitzen, sind sie eher eingeschüchtert und unsicher. Viele Menschen damals waren passiv, furchtsam und engherzig, aber während des gemeinsamen Essens öffneten sie sich und man konnte sehen, wie sie sich verändern.

Gastfreundschaft ist eine Sprache, die man bewusst einsetzen sollte. Wir haben nie billiges Essen auf Plastiktellern serviert. Es gab immer nur selbstgekochtes Essen, keine Fertiggerichte. Man kann keine Gemeinde aufbauen, wenn die Menschen sich nicht geschätzt fühlen, und wenn man ihnen das Gefühl gibt, wichtig zu sein, sehen sie auch, dass sie Gott wichtig sind.

Ich spürte, dass Gott mir auftrug, während der ersten zehn Jahre eine Leiterschafts-Mentalität aufzubauen. Zuerst musste ich viel Zeit damit verbringen, zu definieren, was Leiterschaft bedeutet und was nicht. Die Mentalität eines Leiters zu haben bedeutet, zu sehen, wer reagiert, wer hungrig ist und wer sich öffnet. Man glaubt an jeden, aber in manche Menschen investiert man mehr Zeit, vor allem in die Menschen, die hungrig sind.

Für mich ist die Leiterschaft etwas, das man sehr bewusst ausüben muss. In der Gründungsphase unserer Gemeinde sprach ich viel über Potenzial, über den Stellenwert der Dinge und über unsere Vision und beobachtete genau, wer darauf reagierte. In diese Menschen investierte ich mehr Zeit. Außerdem fielen mir dabei Menschen auf, die zerbrochen waren und pastorale Hilfe brauchten. Dabei ist es wichtig, langsam zum Sprechen zu sein, genau zuzuhören, die richtigen Fragen zu stellen und sie auf Jesus hinzuweisen.

Ich habe drei Rollen, wenn man es so nennen will. Da ist zum einen die als Leiter, in der ich über Potenzial, Werte und die Vision spreche, die nötig ist, um eine Gemeinde aufzubauen. Für die Menschen, die zerbrochen sind, schlüpfe ich in die Rolle des Pastors. Ich möchte sie in dieser Situation nicht allein lassen und frage sie immer, wie es ihnen geht und wie ich für sie beten kann. Und dann ist da die Rolle des Freundes. Manchmal weiß man nicht, was man sagen soll, aber man kann einfach für die Menschen da sein. Ich würde sagen, eine Gemeinde aufzubauen und über eine Vision zu sprechen, ähnelt einem Architekten, der beginnt, den Menschen seine Baupläne zu erklären.

Paul: Was waren die größten Herausforderungen, auf die du als Leiter der Gemeinde in den ersten zehn Jahren getroffen bist? Welche Lösungen hast du dafür gefunden?

Mark: (Zieht sofort sein Handy heraus und liest ab) Das waren sieben Herausforderungen:

Engstirniges Denken
Passivität
Starre Haltungen
Falsch orientierter Glaube
Der Mangel an Umsetzung
Geteilte Herzen
Armutsdenken.

Die Lösung für diese Herausforderungen:

Großes Denken
Proaktives Verhalten
Auf Wachstum ausgerichtetes Denken
Glaube an Gott allein
Die Umsetzung dessen, was wir lernen
Eine loyale Haltung
Ein großzügiger Geist.

Bei einer Gemeindegründung muss man mit den Menschen arbeiten, die dort auftauchen, und dabei kann man die Gnade Gottes auf ganz erstaunliche Weise sehen. Viele von ihnen dachten engstirnig, hatten ein starres Denken und konnten die Dinge nicht umsetzen. Das Evangelium überwindet solche Dinge, aber nur weil man das Evangelium predigt, bedeutet das nicht, dass die Menschen es glauben. Das ist die Herausforderung. Man predigt das Evangelium durch Essen, Gastfreundschaft und Großzügigkeit und investiert gleichzeitig durch Freundschaft und eine Kultur der Leiterschaft in die Menschen.

Warum kommen die Menschen in die Gemeinde, und warum bleiben sie? Und wenn sie bleiben, wie wachsen sie? Und wenn sie wachsen, in welche Richtung gehen sie? Das Kommen, Bleiben, Wachsen und die Weiterentwicklung sind die Schlüsselfaktoren, die jeder aufmerksam beobachten sollte.

Die Welt verändert sich – nicht nur durch Corona –, und was immer passiert: Die Gemeinde muss Licht bleiben und handeln wie der gute Samariter, der metaphorisch gesprochen Öl und Wein ausgießt. Ich glaube, Gott hat uns dazu berufen, die Menschen in ihre Berufung hineinzuführen. Wir müssen noch mehr Gläubigen helfen, das, was sie lernen, in ihrem alltäglichen Leben umzusetzen. Die Herausforderung für die Gemeinde besteht darin, die Gemeinde zu sein, die Jesus jetzt in dieser zerbrochenen Welt braucht. Wie sieht diese Gemeinde aus? Wie erziehen wir unsere Kinder? Wie motivieren wir die Christen dazu, sich in den Bereichen Bildung, Politik und Finanzen sowie jedem anderen Aspekt der Gesellschaft zu engagieren?

Wie stellt sich die Ortsgemeinde sonntags dar? Befähigt sie die Gläubigen, ihren Glauben auch an den Tagen unter der Woche spürbar, eindrucksvoll und weise auszuleben? Ich glaube, die Gemeinden, die in unserer zerbrochenen Welt Einfluss ausüben und den Menschen helfen, sind Gemeinden, die wissen, welche Aufgabe sie haben. Sie sind nicht nur mit sich selbst beschäftigt, sondern wirken leidenschaftlich der Zerbrochenheit der Gesellschaft entgegen, was immer sie dafür tun müssen.

Als Leiter müssen wir über das Potenzial der Gemeinde sprechen. Wenn du junge Leiter für die Zukunft heranbilden willst, gibst du ihnen nur dann eine Chance, wenn du ihr Potenzial ansprichst. Wir haben jetzt die Chance etwas Großes zu tun, für das wir bisher nicht den Mut hatten.

Wir haben jetzt die besten Gelegenheiten, die wir je hatten. Die Frage ist nur: Wie nutzen wir sie?

Wir wollen sehen, dass die jungen Menschen ihren Glauben in ihrem Alltag ausleben. Das könnte bedeuten, dass wir soziale Unternehmen gründen, mit Schulen zusammenarbeiten, in problematischen Teilen der Gesellschaft tätig werden und neue Wege begründen. Das ist innovativ und unternehmerisch. Berlin ist eine zerbrochene Stadt und braucht verzweifelt all die erwähnte Unterstützung.