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Thom Rainer

Sobald sie diese Worte hören, zucken sie zusammen. Schon wenn jemand einen Satz damit einleitet, erschaudern sie. Ja, alle Pastoren und Gemeindemitarbeiter fürchten diese Aussagen, die in der Regel eingeleitet werden mit:

„Die Leute sagen, dass… „

Der ganze Satz könnte lauten: „Die Leute sagen, dass du zu wenig Hausbesuche machst.” Oder auch: „Die Leute sagen, dass die Jugendarbeit nicht gut läuft.” Oder vielleicht: „Die Leute sagen, dass deine Bürozeiten unbefriedigend sind.”

Hinter diesem Satz verbirgt sich vermeintlich eine bestimmte Gruppe und er gewährt Einzelpersonen eine gewisse Anonymität. „Einige Älteste haben Probleme mit dir“, oder auch „viele aus dem Team sind unzufrieden“.

Ihr kennt das bestimmt. Man könnte es noch mit unterschiedlichen Inhalten füllen, aber eines bleibt immer gleich: „Die Leute“ wird nicht definiert. Derjenige, der sich hier beschweren will, bleibt in der Anonymität. Ja, dieser Satz frustriert und demoralisiert Pastoren und Gemeindeteams in höchstem Maße und zwar aus folgenden Gründen:

  • Der Beschwerdeführer hat nicht den Mut, für sich selbst zu sprechen. Deshalb verschleiert er es mit der unkonkreten Aussage „die Leute sagen“. Gemeindeleiter wissen eines ganz genau: Wenn jemand, der etwas kritisieren möchte, nicht den Mut hat, für sich selbst zu sprechen oder wenn er sich hinter anonymen Beschwerden verbirgt, dann wird man auch in Zukunft mit ihm Ärger haben.
  • Der Leiter bekommt nicht die Möglichkeit, etwas wiedergutmachen oder einer Sache nachzugehen. Solche Beschwerdeführer sagen nicht, woher sie die Kritik haben. Deshalb können der Pastor oder sein Team dem nicht nachgehen und nicht direkt mit den Kritikern sprechen. Sie werden hier mit einer Beschwerde konfrontiert, der sie aufgrund der Anonymität nicht nachgehen können.
  • Der Leiter hinterfragt sofort die Motivation des Beschwerdeführers. Sobald der Leiter die Worte „Die Leute sagen…” hört, zweifelt er an der Glaubwürdigkeit und an der Loyalität des Beschwerdeführers. So eine Aussage ist feige und provoziert Gegenreaktionen wie Anzweiflung und Ärger.
  • Diese Aussage lastet doppelt schwer auf einem Leiter. Erstens ist es eine weitere Kritik, mit der er umgehen muss. Die meisten Gemeindeleiter werden all zu oft mit Kritik konfrontiert. Zweitens kann so eine Aussage auf vielfache Weise gedeutet werden und die geäußerte Kritik lässt den Leiter im Ungewissen, ob das Problem vielleicht sogar größer als in Wirklichkeit ist. Dadurch kann es sein, dass er seine Energie für etwas verschwendet, das in Wirklichkeit keine große Sache ist.
  • Indirekte Kritik ist die schmerzvollste Form von Kritik. Die meisten Gemeindeleiter können besser Kritik von jemandem annehmen, der sie unumwunden äußert und etwas auf den Punkt bringt. Doch indirekte Kritik wie „die Leute sagen…“ oder „ich mag dich ja, Pastor, aber…“ tun mehr weh, als alles andere. Denn hier hat man es nicht nur mit Kritik zu tun, sondern auch mit Feigheit und Scheinheiligkeit.

Ich bin Leiter einer Gemeinde und auch in anderen Bereichen. Irgendwann kam ich an den Punkt, wo ich solche verschleierte Kritik nicht mehr angenommen habe. Ich blieb höflich und entgegnete: „Es tut mir leid, aber ich bitte dich damit aufzuhören. Entweder teilst du mir mit, woher genau deine Bedenken kommen oder ich werde mich nicht damit befassen. Wenn du allerdings bereit bist, mir die Namen der Leute zu sagen, in deren Namen du sprichst, dann werde ich mich sehr gerne mit der Kritik auseinandersetzen. Noch besser wäre es, wenn die Leute direkt mit mir reden würden.”

Hat meine Vorgehensweise etwas verändert? Nun, wenn ich mich recht erinnere war keiner der Beschwerdeführer einer anonymen Kritik mit meiner Reaktion zufrieden. Doch ich habe gelernt, dass es durchaus Menschen in Gemeinden und anderen Organisationen gibt, die wirklich die Gabe haben, Missstände auf den Punkt zu bringen. Und die werden ihre Gabe zur rechten Zeit einsetzen und Dinge positive verändern.

Und ich werde mit denen meinen Weg gehen, die positive und Mut machende Lösungsvorschläge haben. Das Leben ist zu kurz, um sich mit feigen Beschwerdeführern herumzuärgern.

Thom Rainer ist Autor von vierundzwanzig Büchern, u.a. Breakout ChurchesSimple LifeSimple ChurchRaising Dad, The Millennials und Essential Church. Seine neuesten Bücher I Am a Church Member und Autopsy of a Deceased Church stehen in den USA auf der Bestsellerliste christlicher Bücher. Siehe auch http://thomrainer.com/2014/12/17/one-sentence-pastors-church-staff-hate-hear/